Skelett, Gelenke, Muskulatur, Bänder und Sehnen
Die Halswirbelsäule spielt für Bewegung und Koordination eine wichtige Rolle. In diesem Bereich verlaufen Rückenmark und Nervenstrukturen, die an der Steuerung der Gliedmassen beteiligt sind. Auch wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben Stolpern im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen des kaudalen Halsbereichs. Öfter kommt die Problematik jedoch vom Rücken.
Daraus darf allerdings keine vorschnelle Schlussfolgerung entstehen. Zu oft sind die Probleme in einer verspannten Muskulatur zu suchen.

Bild aus der Rückenstudie 2019
1/3 aller Pferde zeigten mittel- bis hochgradige Rückenschmerzen an. Ein Zusammenhang mit Unwohlsein beim Putzen kann bestätigt werden, auch Magengeschwüre sollten im Zusammenhang mit Rückenproblemen beachtet werden. Das Thema Rückenschmerzen ist sehr komplex und die Schmerzen können meist nicht nur auf einen Faktor heruntergebrochen werden. Auch das Symptom Headshaking, wie Dr. med. vet. Markus Scheibenpflug als Teilnehmer einbringt, hat höchstwahrscheinlich die Ursache basierend in Rückenprobleme. Als Schlüsselpunkt soll der Schultergürtelmuskulatur mehr Beachtung geschenkt werden.
Um eine nachhaltige Genesung und Gesunderhaltung des Reitpferdes zu erreichen, sind deshalb nicht nur das Ausschalten von Schmerzen, sondern auch das Eliminieren von möglichen Einflussfaktoren und das erneute Erlernen von reitspezifischen Bewegungsabläufen zentral. Auch ist eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen unter den Fachleuten rund um das Reiter-Pferd-Paar sinnvoll.
Wenn das Pferd bereits Fehlbewegungen manifestiert hat, dauert es ein xfaches mehr an Zeit bis ein Bewegungsfehler in eine gesunde Bewegung reprogrammiert werden kann, als man gebraucht hat, um diesen zu manifestieren. Meist trifft man Pferdebesitzer an, die sich nicht mehr trauen, das Pferd aktiv zu bewegen. Aber durch die korrekte Aktivierung der Muskulatur kann das Pferd überhaupt aus diesem negativen Kreis herauskommen.
Das Exterieur
Nicht jedes Pferd hat ein optimales Gebäude. Ein überbautes Pferd zeigt die Tendenz mehr Last auf der Vorhand aufzunehmen. Ein langer Rücken ist oft heikler als ein kurzer. Auch die Grösse des Kopfes sowie auch die Länge des Halses kann eine nicht ideale natürliche Kompensation hervorrufen. Das Gebäude sagt auch viel über das empfohlene Einsatzgebiet eines Pferdes aus. Ein traditionell gebautes Quarterhorse wird nie ein erfolgreiches S-Dressurpferd werden. Das Islandpferd wird nicht zum überfliegenden Springpferd und aus dem Springpferd kann kein 5-Gänger gemacht werden.
Die heutige Zucht geht mit sehr vielen Rassen in die gleiche Richtung: Sportliche und hypermobile Pferde mit enormen Gangvermögen. Diese Pferde bieten zwar viel Talent, sind dadurch aber auch anfälliger auf Gesundheitsprobleme und deswegen anspruchsvoller zu reiten als ihre "stämmigen" Ahnen.
Mit dem passenden Reit- und Bewegungskonzept können unnötige Verschleisserscheinungen vermieden werden und das Pferd schmerzfrei gehalten werden.
Mehr zur Zucht kann hier als Podcast heruntergeladen werden:Moderne Pferdezucht – Fluch oder Segen?
31 Min. Deutsch
Das Ziel des schnellen Zuchtfortschrittes. Die kommerziellen Interessen bei der Vermarktung. Die gesellschaftliche Akzeptanz. Die jungpferdegerechte Selektion und Prüfung.
Der Schmerz kann verschwunden sein – das durch ihn entstandene Bewegungsmuster ist jedoch noch vorhanden.
Der Begriff "Schmerzgedächtnis der Faszie“ sollte bildhaft verstanden werden. Faszien speichern Schmerz nicht wie ein Gehirn Erinnerungen. Sie sind jedoch reich an sensorischen Nervenendigungen und eng in die Wahrnehmung von Spannung, Bewegung und Schmerz eingebunden.
Nach Verletzungen, Entzündungen oder länger anhaltender Überlastung können sich sowohl das fasziale Gewebe als auch die Schmerzverarbeitung im Nervensystem verändern. Gewebespannung, Gleitfähigkeit und Bewegungsmuster können beeinflusst sein; gleichzeitig kann das Nervensystem empfindlicher auf mechanische Reize reagieren.
Beim Pferd kann dadurch ein ursprünglich schmerzbedingtes Schon- oder Ausweichmuster bestehen bleiben, obwohl die eigentliche Verletzung bereits abgeheilt ist. Das Pferd hat gelernt, bestimmte Bewegungen zu vermeiden oder anders auszuführen – und diese Kompensation kann wiederum andere Strukturen belasten.
Deshalb reicht es nach längeren Schmerzphasen nicht immer, nur die ursprüngliche Ursache zu behandeln. Auch Bewegungsmuster, Belastbarkeit, Koordination und das Zusammenspiel der Gewebe müssen wieder schrittweise normalisiert werden.
Das Gesamtbild
Für die abzuklärende Fachperson ist es hilfreich, wenn vom Besitzer ein objektives, sachliches Gesamtbild erzählt wird. Aussagekräftiger es, wenn weitere Auffälligkeiten dazukommen. Dazu können Veränderungen bei bestimmten Halspositionen, Unterschiede mit und ohne Zügelkontakt, Schwierigkeiten beim Rückwärtsrichten oder in engen Wendungen sowie ein anderes Bewegungsverhalten unter dem Reiter oder an der Longe gehören.
Oft steht kein Befund für sich allein.
In der Summe können sie jedoch einen Hinweis darauf geben, in welche Richtung weiter untersucht werden sollte.
Ein einzelner Fehltritt sagt wenig. Wiederkehrende Veränderungen im Bewegungsmuster verdienen Aufmerksamkeit.
👉 Lese im Kapitel 4 Wenn Koordination nicht mehr selbstverständlich ist
Die Schweizer Rückenstudie WIE GESUND SIND DIE RÜCKEN UNSERER REITPFERDE
Fazit von 12 Vorträgen als Dokumentation
Die Studie wurde zwar im Jahr 2019 gemacht - leider ist sie so aktuell wie noch nie... Sie liefert überraschende Antworten: Rückenschmerzen, Bewegungsasymmetrien und Sattelprobleme sind deutlich häufiger als viele vermuten. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass selten nur ein einzelner Faktor verantwortlich ist. Erfahren Sie, welche Rolle Haltung, Ausbildung, Reiter, Sattel und moderne Diagnostik tatsächlich spielen – und weshalb nachhaltige Lösungen nur durch einen ganzheitlichen Blick auf das Pferd möglich sind.
Wissen für alle
© Alle Rechte Fair Horse by Corinne Hauser
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Pferdefütterung: www.bestofhorsehay.com
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