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Die unterschätzten 23 Stunden

Was geschieht, wenn wir nicht da sind?
17. September 2026 durch
BEST OF HORSE HAY, Corinne Hauser

Wenn bei einem Pferd gesundheitliche oder reiterliche Probleme auftreten, richtet sich der Blick meist auf das Training. Wie wird das Pferd gearbeitet? Ist die Belastung richtig gewählt? Fehlt Kraft, Beweglichkeit oder Balance? Das sind wichtige Fragen. Dabei geht allerdings leicht vergessen, dass selbst ein täglich trainiertes Pferd nur einen kleinen Teil seines Tages mit uns verbringt.

Was geschieht in den übrigen 23 Stunden?

Diese Zeit hat einen erheblichen Einfluss darauf, mit welchen Voraussetzungen ein Pferd überhaupt ins Training kommt. Haltung, freie Bewegung, Fütterung, Sozialkontakt, Ruhe und Schlaf gehören deshalb genauso zur Beurteilung eines Pferdes wie die eigentliche Trainingsarbeit.

Ein Pferd, das sich ausserhalb des Trainings wenig bewegt, bringt andere körperliche Voraussetzungen mit als eines, das sich über viele Stunden frei bewegen kann. Das lässt sich nicht einfach durch eine Stunde Gymnastizierung ausgleichen. Ebenso wenig kann eine sorgfältig geplante Trainingseinheit eine Fütterung kompensieren, die nicht zum tatsächlichen Bedarf des Pferdes passt.

Gerade bei Pferden im Muskelaufbau, in der Rehabilitation oder mit wiederkehrenden Rittigkeitsproblemen lohnt es sich deshalb, den gesamten Tagesablauf anzuschauen.

Wie viel bewegt sich das Pferd tatsächlich? Nicht geschätzt, sondern über den Tag betrachtet. Wie lange sind die Fresspausen? Welche Mengen und Qualitäten werden gefüttert? Wie entwickelt sich das Körpergewicht? Kann das Pferd in seiner Gruppe wirklich ruhen und schlafen? Wie viele Stunden verbringt es auf einer begrenzten Fläche oder in der Box?

Solche Fragen erscheinen zunächst weit entfernt von einem Problem, das vielleicht nur beim Reiten auftritt. In der Praxis können sie aber wichtige Hinweise liefern.

Auch die Fütterung wird häufig erst dann zum Thema, wenn Gewicht oder Verdauung offensichtlich auffällig werden. Für die körperliche Entwicklung ist sie jedoch ständig relevant. Wer Muskulatur aufbauen möchte, sollte beispielsweise nicht nur über die richtigen Übungen nachdenken, sondern auch darüber, ob Energie- und Nährstoffversorgung zum Pferd und seiner aktuellen Leistung passen.

Ähnliches gilt für Regeneration. Training setzt einen Reiz. Die Anpassung an diesen Reiz benötigt anschliessend Zeit und entsprechende Bedingungen. Mehr Training ist deshalb nicht automatisch gleichbedeutend mit mehr Entwicklung.

Besonders interessant werden die 23 Stunden, wenn Probleme trotz guter Trainingsarbeit immer wieder auftreten. Dann lohnt sich ein Blick über den Reitplatz hinaus. Vielleicht liegt ein Teil der Erklärung tatsächlich dort, wo bisher niemand gesucht hat.

Das soll nicht bedeuten, dass jedes Rittigkeitsproblem durch Haltung oder Fütterung verursacht wird. Es bedeutet lediglich, diese Faktoren bei der Beurteilung nicht auszublenden.

Wer ein Pferd ganzheitlich trainieren möchte, muss deshalb auch wissen, wie dieses Pferd lebt.

Denn wir trainieren vielleicht eine Stunde am Tag. Die Voraussetzungen dafür entstehen während der gesamten 24 Stunden.

Fair Horse - der Pferde-Profi © Alle Rechte Fair Horse by Corinne Hauser 
Weitere Informationen:
Pferdefütterung: www.bestofhorsehay.com
Pferdewissen und Pferdegesundheit: https://www.fairhorse.ch/wissen-fur-alle


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