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Fakten über das WEST-NIL-VIRUS in der Schweiz

Faktencheck für die Schweiz
22. September 2026 durch
BEST OF HORSE HAY, Corinne Hauser

Wie steht es um das WNV auf der Iberischen Halbinsel ?

Land WNV-Ausbrüche bei Equiden Weitere wichtige Befunde
🇪🇸 Spanien 18 12 Ausbrüche bei Vögeln; 141 lokal erworbene Humanfälle bis 14.10.
🇵🇹 Portugal 4 Equiden-Ausbrüche bestätigt; im EFSA/ECDC-Bericht keine Humanfälle gemeldet

EFSA/ECDC führen Spanien damit an fünfter Stelle der EU/EWR-Länder nach Frankreich, Italien, Belgien und den Niederlanden. Portugal liegt mit vier gemeldeten Equiden-Ausbrüchen deutlich darunter. Quelle: ECDC Monatsberichte

Spanien: WNV-Zirkulation auch im Nordosten

Besonders interessant mit Blick auf die Schweiz ist, dass WNV nicht nur im traditionell stark betroffenen Süden Spaniens zirkuliert. Die katalanische Veterinärbehörde meldet 2026 aktuelle Nachweise in Segrià, Alt Empordà, Pla de l'Estany und Baix Empordà. Quelle: DARP Catalunya

Allein in Katalonien wurden im September/Oktober mehrere aktuelle Infektionen bei Equiden festgestellt: zwei Equiden in Palau-saverdera, je ein Equide in Pau und Almacelles sowie am 14. Oktober zwei weitere Equiden in Palau-sator. Zusätzlich wurde WNV bei mehreren Wildvögeln und bereits im August in einem Mückenpool in Castelló d'Empúries nachgewiesen. Bei den dort untersuchten Mücken und Wildvögeln wurde WNV-Linie 2 bestätigt. Quelle: DARP Catalunya

Das ist epidemiologisch besonders aussagekräftig, weil hier gleichzeitig die drei wichtigen Ebenen nachgewiesen wurden:

Mücke → Wildvogel → Equide.

Die spanische Gesundheitsbehörde führt für 2026 ausserdem eine gemeinsame Überwachung von Humanfällen, Tierausbrüchen und entomologischer Surveillance durch. Quelle: Ministerio de Sanidad, Offizielle WNV-Lage Katalonien 2026

Portugal

Portugal meldete bis 7. Oktober vier WNV-Ausbrüche bei Equiden. Bemerkenswert ist, dass EFSA/ECDC Portugal 2026 als Land nennt, das bislang Tierausbrüche, aber keine lokal erworbenen Humanfälle gemeldet hatte. Quelle: ECDC Monatsberichte

Die portugiesische Veterinärbehörde DGAV reagiert ausdrücklich auf die europäische Entwicklung. Sie betont die Bedeutung der Impfung von Equiden, der unverzüglichen Meldung von Verdachtsfällen und der Bekämpfung beziehungsweise Vermeidung von Mückenbrutstätten. Quelle: DGAV

Portugal verfügt zudem über einen Überwachungsplan 2026–2028, der klinische, epidemiologische und serologische Untersuchungen insbesondere bei Wildvögeln und Equiden vorsieht. Die Impfung gegen WNV ist auf dem portugiesischen Festland freiwillig möglich. Quelle: DGAV, DGAV Portugal – West-Nil-Fieber bei Equiden

Iberische Halbinsel im europäischen Vergleich

Zusammen kommen Spanien und Portugal damit auf mindestens 22 gemeldete Equiden-Ausbrüche nach dem einheitlichen EFSA/ECDC-Datenstand vom 7. Oktober.

Zum Vergleich aus derselben Datenbasis:

 Quelle: ECDC Monatsberichte

Wichtig ist allerdings: Die absoluten Zahlen dürfen nicht direkt als Infektionsrisiko pro Pferd interpretiert werden. EFSA/ECDC weisen ausdrücklich darauf hin, dass Unterschiede zwischen Ländern auch durch Überwachungsintensität, Diagnostik und Meldesysteme beeinflusst werden. Quelle: ECDC Monatsberichte

Interessant für die Schweiz

Die Entwicklung auf der Iberischen Halbinsel unterstützt das inzwischen deutlich grössere europäische Gesamtbild: WNV ist kein auf Südeuropa begrenztes Problem mehr. 2026 wurden in EU/EWR-Ländern bis 7. Oktober bereits rund 510/511 Equiden-Ausbrüche registriert – der höchste kumulierte Wert für diesen Zeitpunkt in den Vergleichsjahren. Gleichzeitig hat sich das Virus geografisch stark ausgebreitet. Quelle: ECDC Monatsberichte

Gerade die Situation in Katalonien ist interessant: Dort wird die aktive Zirkulation gleichzeitig durch Mücken-, Wildvogel- und Equidennachweise dokumentiert. Das macht die Region zu einem guten Beispiel dafür, wie ein WNV-Überwachungssystem auch für die Schweiz aufgebaut beziehungsweise interpretiert werden kann. Quelle: EFSA/ECDC – aktuelle europäische WNV-Tierüberwachung

Neue offizielle WNV-Information 
16. Oktober 2026 – ECDC, Datenstand 14. Oktober 2026: 
Menschen:
Das European Centre for Disease Prevention and Control meldet eine weitere Zunahme der WNV-Aktivität in Europa. Inzwischen wurden 1'926 lokal erworbene humane Fälle in 19 europäischen Ländern erfasst; 222 Gebiete waren 2026 betroffen. Eine Woche zuvor waren es 1'855 Fälle. Quelle: WNV Weekly

Für die Schweiz sind insbesondere die Nachbarländer relevant: Frankreich stieg auf 159 Fälle in 28 Gebieten (zuvor 144 Fälle/26 Gebiete), Deutschland auf 7 Fälle in 6 Gebieten (zuvor 4/3), während Österreich bei 8 Fällen in 3 Gebieten blieb. Damit zeigt sich insbesondere in Frankreich und Deutschland weiterhin eine geografische Ausweitung. Die Schweiz erscheint in dieser ECDC-Humanstatistik weiterhin nicht als Land mit einem lokal erworbenen Humanfall 2026. Quelle: WNV Weekly

ECDC – WNV-Wochenbericht, veröffentlicht 16. Oktober 2026
Pferde:
Schweiz: Es gibt keine neue offizielle Meldung eines weiteren Schweizer Pferdefalls. Der bekannte Fall im Kanton Aargau bleibt damit der bislang einzige offiziell dokumentierte, in der Schweiz erworbene WNV-Fall bei einem Pferd. Das IVI hatte diesen am 26. August 2026 gemeldet. Quelle: IVI

Die jüngste EFSA/ECDC-Tierauswertung bleibt der bereits berichtete Monatsbericht vom 15. Oktober 2026 mit Datenstand 7. Oktober. Neuere offizielle Tierzahlen liegen derzeit nicht vor. Quelle: European Food Safety Authority

Einordnung für Pferdehalter in der Schweiz: Es gibt damit aktuell keinen neuen Schweizer Pferdefall und keine neue Schweizer Impf-, Melde- oder Schutzempfehlung. Relevant ist jedoch die fortgesetzte WNV-Zirkulation unmittelbar in den Nachbarländern, besonders die weitere Ausbreitung in Frankreich und Deutschland.

Die neueste direkt vergleichbare offizielle Datengrundlage ist derzeit der gemeinsame EFSA/ECDC-Monatsbericht vom 15. Oktober 2026, mit Meldestand 7. Oktober 2026. Da alle fünf Länder darin nach derselben ADIS-Systematik ausgewertet werden, eignet er sich besser für den Ländervergleich als unterschiedlich datierte nationale Meldungen. Quelle: wnv-monthly.ecdc.europa.eu
Land WNV-Ausbrüche bei Equiden 2026* Einordnung:



🇫🇷 Frankreich ​ ​307 ​ ​Mit sehr grossem Abstand höchste Zahl der fünf ​
​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Länder; Rekordzahl für Frankreich

🇮🇹 Italien ​ ​ ​  72 ​ ​Zweithöchste Zahl; Italien weist gleichzeitig 
​ ​ ​ ​ ​ ​ ​besonders starke WNV-Aktivität bei Vögeln und ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Menschen auf

🇩🇪 Deutschland ​   13 ​ ​Deutliche Aktivität, jüngster im EFSA/ECDC-Bericht 
​ ​ ​ ​ ​ ​ ​erfasster Equiden-Ausbruch Europas mit ​
​ ​ ​ ​ ​ ​ ​vermutetem Beginn 2.10.2026

🇦🇹 Österreich ​ ​    4 ​ ​Vier Ausbrüche; AGES bewertet das Risiko weiterer 
​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Ausbrüche weiterhin als hoch

🇨🇭 Schweiz ​ ​    1 ​ ​Erster autochthoner Schweizer WNV-Ausbruch bei 
​ ​ ​ ​ ​ ​ ​einem Equiden; Kanton Aargau

* kumulierte, offiziell gemeldete Ausbrüche bei Equiden, Datenstand 7.10.2026. „Ausbruch“ ist nicht zwingend identisch mit der Zahl einzelner erkrankter Pferde. EFSA/ECDC weist ausdrücklich darauf hin, dass in ADIS keine Information zur jeweiligen Equidenart vorliegt. WNV-Ausbrüche bei Equiden 2026. Offiziell gemeldete Ausbrüche bis 7. Oktober 2026.


Was besonders auffällt
Frankreich sticht 2026 massiv heraus. Die 307 Equiden-Ausbrüche sind laut EFSA/ECDC ein französischer Rekord. Europaweit wurden in den EU/EWR-Ländern bis zum 7. Oktober insgesamt 510 WNV-Ausbrüche bei Equiden gemeldet. Frankreich allein macht damit rund 60 % dieser Ausbrüche aus. Quelle: wnv-monthly.ecdc.europa.eu

Auch Italien ist mit 72 Equiden-Ausbrüchen stark betroffen. Allerdings liegt der Schwerpunkt der italienischen WNV-Situation noch deutlicher bei Vögeln und Menschen: EFSA bezeichnet Italien 2026 als das am stärksten betroffene Land hinsichtlich der Zahl der Humanfälle und Vogelausbrüche. Quelle: European Food Safety Authority

Für Deutschland sind 13 Equiden-Ausbrüche erfasst. Interessant ist die Entwicklung innerhalb weniger Wochen: Das Friedrich-Loeffler-Institut hatte am 3. September erst zwei bestätigte Pferdefälle registriert. Danach nahm das Geschehen deutlich zu. Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

In Österreich sind vier Equiden-Ausbrüche registriert. Drei davon waren bereits im August bekannt; im September kam ein weiterer Ausbruch bei einem Pferd in Mistelbach/Niederösterreich hinzu. Die österreichische AGES stuft das Risiko weiterer WNV-Ausbrüche weiterhin als hoch ein. Quelle: AGES

Schweiz: weiterhin nur ein Ausbruch
Für die Schweiz bestätigt EFSA/ECDC weiterhin einen einzigen Equiden-Ausbruch. Als vermuteter Beginn wird der 21. Juli 2026 angegeben. Der Ausbruch betrifft die Region Aargau (CH033); dort wurde 2026 erstmals ein WNV-Tierausbruch registriert. Quelle: wnv-monthly.ecdc.europa.eu

Das IVI bestätigt dazu den ersten in der Schweiz erworbenen Fall: Das Pferd war nie im Ausland, weshalb von einer autochthonen Infektion ausgegangen wird. Der Fall wurde am 26. August 2026 gemeldet. Quelle: ivi.admin.ch

Das aktuelle BLV-Radar-Bulletin vom 15. Oktober stuft die Gefahr eines Auftretens von West-Nil-Fieber in der Schweiz weiterhin als gross ein. Quelle: BVL


Für die Schweiz ist die Entwicklung in Frankreich besonders relevant: 307 Equiden-Ausbrüche gegenüber nur einem in der Schweiz zeigen zwar einen enormen Unterschied, zugleich dokumentiert EFSA/ECDC 2026 eine aussergewöhnlich starke und geografisch weit verbreitete WNV-Saison in Europa.

Weitere Informationen:

Am 26. August 2026 wurde erstmals bei einem Pferd eine in der Schweiz erworbene West-Nil-Virus-Infektion bestätigt. Das Pferd stand in Kaisten im Kanton Aargau, war nie im Ausland und hatte neurologische Symptome. Es hat sich inzwischen erholt. Der Befund wurde durch das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) diagnostisch bestätigt.

Das ist epidemiologisch bedeutsam, weil WNV damit nicht mehr nur bei Schweizer Mücken beziehungsweise beim Menschen nachgewiesen wurde: 2022 erfolgte der erste Nachweis in einheimischen Stechmücken im Tessin, 2025 wurde der erste lokal durch Mücken übertragene menschliche Fall bestätigt und 2026 nun erstmals eine autochthone Infektion eines Pferdes. Das IVI schreibt, dass sich damit die Vermutung erhärtet, dass sich das Virus auch nördlich der Alpen zunehmend etabliert.

Für Pferde ist besonders wichtig: 
Etwa 80 % der Infektionen verlaufen ohne erkennbare klinische Erkrankung. Rund 10 % der infizierten Pferde können neurologische Symptome entwickeln. Der offizielle Schweizer Massnahmenplan nennt für neuroinvasive Verläufe eine Mortalität von rund 30–40 %.

Typisch beziehungsweise verdächtig sind insbesondere zentralnervöse Symptome unbekannter Ursache, beispielsweise Ataxie bis hin zum Festliegen; auch hohes Fieber kann auftreten. Die Inkubationszeit wird für Pferde mit etwa 3 bis maximal 14 Tagen angegeben.

Eine direkte Übertragung Pferd → Pferd oder Pferd → Mensch findet nicht statt. Pferde und Menschen gelten epidemiologisch als sogenannte Fehl- bzw. Sackgassenwirte, weil die Viruskonzentration im Blut nicht ausreicht, damit sich Mücken am Pferd infizieren und das Virus weitertragen. Der wesentliche Kreislauf besteht zwischen Wildvögeln und Stechmücken, insbesondere Culex-Arten.

Für die Schweiz relevant ist ausserdem, dass verschiedene potenzielle Überträgermücken bereits vorkommen, darunter Culex pipiens, Culex modestus, Aedes albopictus und Aedes japonicus.

West Nil Virus - Der Pferdeprofi informiert

Impfung
Für Pferde stehen in der Schweiz zugelassene Impfstoffe zur Verfügung. Der Schweizer Massnahmenplan 2026 nennt zwei zugelassene Impfstoffe. Ziel der Impfung ist insbesondere der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen.

Das BLV weist darauf hin, dass bei hohem Fieber oder neurologischen Auffälligkeiten unverzüglich eine Tierärztin oder ein Tierarzt beigezogen werden sollte. 

 👉 West-Nil-Fieber ist in der Schweiz eine zu überwachende Tierseuche und meldepflichtig.
Das IVI empfiehlt bei Verdachtsfällen die parallele Untersuchung auf Virusgenom und Antikörper. Beim lebenden Pferd können Serum und Liquor für den Virusgenomnachweis sowie Serum für den Antikörpernachweis untersucht werden; der Impfstatus muss angegeben werden.

Offizielle Quellen
  • EFSA – WNV-Monatsbericht vom 15. Oktober 2026
  • ECDC/EFSA – detaillierte veterinärmedizinische WNV-Daten
  • IVI – erster WNV-Fall bei einem Pferd in der Schweiz
  • BLV – West-Nil-Fieber in der Schweiz
  • BLV – Radar Bulletin vom 15. Oktober 2026
  • AGES – Tierseuchenradar September 2026
  • Friedrich-Loeffler-Institut – WNV in Deutschland 2026

Übersicht über Pferdekrankheiten: https://www.equinella.ch/home/

Fair Horse - der Pferdeprofi © Alle Rechte Fair Horse by Corinne Hauser

 Weitere Informationen:

Pferdemanagement im eigentlichen Sinn
Das Pferd zwischen den Spezialisten