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Nicht alles, was ein junges Pferd kann, sollte es leisten müssen.

Kinderarbeit beim Pferd – nennen wir es einfach anders?
29. Juli 2026 durch
BEST OF HORSE HAY, Corinne Hauser

Kinderarbeit beim Pferd? Warum junge Pferde zuerst Pferd sein dürfen sollten
In den sozialen Medien sehe ich immer häufiger zweijährige oder sogar jüngere Pferde, die bereits spazieren geführt, longiert oder sonst wie "bespasst" oder gearbeitet werden. Oft wird dies als besonders gute Ausbildung dargestellt. Doch ist diese Entwicklung wirklich pferdegerecht?

Beim Menschen wäre es selbstverständlich, dass Kinder zunächst spielen, lernen und sich entwickeln dürfen. Niemand käme auf die Idee, körperliche Leistung von ihnen einzufordern. Warum scheint sich dieser Gedanke beim Pferd immer mehr zu verändern?

Die wichtigste Schule ist die Herde
Bevor ein junges Pferd vom Menschen ausgebildet wird, braucht es vor allem eines: Artgenossen - idealerweise in einer stabilen Herde mit gleichaltrigen und Älteren Pferden. 

Dort lernt es alles, was kein Mensch ersetzen kann:
* Sozialverhalten und Kommunikation
* Respekt und Grenzen
* Rangordnung und Konfliktlösung
* Gelassenheit und Selbstvertrauen
* Körpersprache anderer Pferde

Mindestens genauso wichtig ist die körperliche Entwicklung. Durch das tägliche freie Bewegen, Spielen und Toben mit Artgenossen trainiert das junge Pferd seinen gesamten Bewegungsapparat auf natürliche Weise. Knochen, Sehnen, Bänder und Muskulatur entwickeln sich entsprechend ihrem biologischen Wachstum – ohne künstlichen Trainingsreiz.

Diese Phase ist keine verlorene Zeit. Sie ist die Grundlage für ein gesundes und belastbares Pferdeleben.

Erziehung ist nicht gleich Training
Natürlich sollte auch ein junges Pferd den Menschen kennenlernen. Es darf lernen:
* sich führen zu lassen,
* Hufe zu geben,
* den Tierarzt oder Hufschmied zu akzeptieren
* und mit Mama ruhig zu verladen.

Diese Form der Erziehung schafft Vertrauen und Sicherheit. Sie ist jedoch etwas völlig anderes als das, was ich so in Social Media sehe.

Sobald Spaziergänge der Konditionssteigerung dienen, regelmässig longiert wird oder das Pferd sonst wie vom Besitzer "betüdelt" wird, verschwimmt die Grenze zwischen sinnvoller Ausbildung, zu frühe Belastung, für die der Organismus oft noch nicht bereit ist und Verhaltensprobleme.

Ein junger Körper braucht Zeit
Auch wenn ein zweijähriges Pferd bereits fast ausgewachsen wirkt, ist sein Körper noch lange nicht fertig entwickelt. Viele Wachstumsfugen schliessen sich erst im Alter von vier bis sechs Jahren. Besonders die Wirbelsäule reift vergleichsweise spät aus.

Während dieser Zeit entwickeln sich nicht nur die Knochenfestigkeit, Sehnen und Bänder, Muskulatur und Koordination sondern auch die psychische Belastbarkeit und Charakter.

Warum entsteht dieser Trend?
Der Wunsch, junge Pferde möglichst früh auszubilden, hat verschiedene Ursachen. Social Media belohnt spektakuläre Bilder und schnelle Erfolge. Gleichzeitig kann häufig wirtschaftlicher Druck auch eine Rolle spielen. Jedoch vermute ich, dass weit mehr ein falsches Denkmuster vorhanden ist.

Viele Menschen möchten ihr Pferd bei sich haben, irgendwie beschäftigen und finden das Babypferd einfach nur süss. Sie trauen sich an das Fohlen eher heran als an das 3jährige grössere Pferd. Vermutlich wird angenommen, dass das Fohlen sich exakt in die gewünschte Richtung psychisch entwickelt und ein treuer Begleiter, wie ein Hund werden wird.  Das ist leider ein Trugschluss.

Wenn Pferdegerecht gedacht wird, weiss man, dass das Pferd in seiner Pubertät sich körperlich und geistig entwickelt und auch mal seine Kräfte und Grenzen testen will - genauso wie es das in der Herde naturgetreu tun würde.

Und nun wird es gefährlich für Mensch und für das Pferd und es muss bereits massiv korrigiert werden, was für den Dresseur wie auch für das Pferd nicht nett sein wird.

Wir Menschen wären gut beraten, die natürliche Entwicklung zu unterstützen statt zu beschleunigen.
Im Herdenverband wird der Youngster von Artgenossen erzogen und man erhält ein echtes Pferd, das bereits Grundregeln, Widerstand und Durchsetzungsvermögen wie auch das "Klein-Beigeben" auf natürliche Weise gelernt hat.

Aus der Wissenschaft wissen wir, dass das junge Pferd Zeit für körperliche und mentale Reifung braucht. Gesunde Pferde entstehen nicht durch Eile sondern durch Wissen und Geduld. Erst auf diesem Fundament entsteht später ein belastbares Reitpferd.

Fazit
Je früher, desto besser? Ein gefährlicher Irrtum. Die wichtigste Ausbildung findet in den ersten Lebensjahren nicht mit dem Menschen statt, sondern in der Herde. Dort lernt das Pferd, ein Pferd zu sein. Die Aufgabe des Menschen besteht in dieser Phase darin, Vertrauen aufzubauen, Sicherheit zu vermitteln und dem jungen Pferd die Zeit zu geben, die seine natürliche Entwicklung benötigt.

Denn langfristige Pferdegesundheit beginnt mit einer artgerechten Kindheit.

Fair Horse Pferdeexpertin© Alle Rechte Fair Horse by Corinne Hauser

Weitere Informationen:
• Pferdefütterung: www.bestofhorsehay.com
• Pferdewissen und Pferdegesundheit: https://www.fairhorse.ch/wissen-fur-alle

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