Heu-Knappheit – Auf Alternativen setzen?
Trockenheit, Hitze und fehlende Ernten setzen den Raufuttermarkt unter Druck. Gleichzeitig steigen die Preise und gutes Pferdeheu wird zur Mangelware. Für Pferdehalter stellt sich deshalb eine wichtige Frage: Reichen unsere Vorräte bis zur nächsten Ernte – und was können wir heute tun, damit unsere Pferde auch in den kommenden Monaten sicher und bedarfsgerecht versorgt sind? Ein Ausweg auf pferdegerechte Ersatz-Raufutter-Produkte wie z.B. Heuersatz-Futtermittel oder auf andere Futterpflanzen wie Luzerne zu setzen, wird bis zur nächsten Ernte 2027 ebenfalls zur Herausforderung in der Beschaffung. Und dennoch müssen Pferde weiterhin ausreichend strukturiertes Raufutter erhalten, um Verdauung, Stoffwechsel und Magengesundheit zu sichern.
Stroh als teilweiser Heuersatz
In diesem Jahr wurde sehr gute Strohqualität produziert, dank der der Trockenheit. Aktuelle Studien zeigen, dass Stroh als Alternative zu Heu/Haylage eingesetzt werden kann, sofern es nicht die einzige Faserquelle ist. Wird etwa bis zu 30% der Ration durch geeignetes, hygienisch einwandfreies Stroh ersetzt, bleiben Energieaufnahme, Stoffwechsel und Verhalten weitgehend stabil, ohne das Risiko für Magengeschwüre deutlich zu erhöhen. Ein weiterer Vorteileiner integrierten Strohfütterung ist, dass dadurch auch Zucker- und Fruktanwerte reduziert werden können.
Heu bleibt Basis – Bedarf kennen
Trotz Knappheit bleibt Heu die zentrale Grundlage der Pferdefütterung. Ernährungsphysiologisch bleibt eine ausreichende Versorgung mit qualitativ hochwertigem Raufutter die zentrale Säule jeder Pferderation, mit einer Trockenaufnahme von etwa 1.5-2 % des Körpergewichts pro Tag zur Stabilisierung von Gewicht und Darmgesundheit, Psyche und Stoffwechsel.
Eine kontrollierte Futteraufnahme über Slow-Feeder reduziert Verluste und hilft, vorhandenes Heu effizienter zu nutzen.
Äste und „Browsing“ als Ergänzung
Forschungen zur natürlichen Nahrungsauswahl belegen, dass Pferde nicht nur Gräser fressen, sondern auch Sträucher und Bäume nutzen und damit zusätzliche Faser, sekundäre Pflanzenstoffe und Beschäftigung erhalten.
Geeignete Knabberäste aus pferdesicheren Baumarten können gerade in Heukrisenzeiten helfen, Fresszeit und Kauaktivität zu verlängern und das Raufutterangebot sinnvoll zu ergänzen, ersetzen aber keine bedarfsdeckende Grundversorgung.
Eine vollständige Liste aller geeigneten Gehölze gibt es nicht, aber folgende Arten gelten nach heutigem Wissen als pferdetauglich, sofern sie nicht gespritzt oder mit Giftpflanzen vermischt sind. Aufzählich nach Fachlogik gegliedert (Verfügbarkeit, Eignung, heimisch...).
| Deutscher Name | Kurz-Hinweis |
|---|---|
| Weide | Klassischer Knabberast, beliebt und robust] |
| Birke | Gut verträglich, als Beschäftigung geeignet] |
| Haselnuss | Geeignet als Strauch und Astmaterial |
| Apfelbaum | Äste und Blätter in moderaten Mengen nutzbar |
| Birnbaum | Vergleichbar Apfel, auf Hygiene achten |
| Linde | Weiches Laub, gern gefressen |
| Esche | In Laubfutterhecken empfohlen |
| Pappel | Als Knabberholz geeignet |
| Weissdorn | Geeigneter Strauch, auch für Paddock-Trails |
| Hundsrose/Wildrosen | „Pferdesnack“, Blätter und Triebe nutzbar |
| Holunder (schwarzer) | Als Strauch und Laubhecke empfohlen, moderat einsetzen |
| Kornelkirsche | Robuster Strauch, für Pferdehecken geeignet |
Giftige Arten wie Eibe, Kirschlorbeer, Robinie, Bergahorn, Walnuss oder Buchsbaum dürfen nicht gefüttert und möglichst gar nicht im Pferdebereich gepflanzt werden.
Einbindung in das Gesamtfütterungskonzept
Äste sollten dieses Grundraufutter nicht ersetzen, sondern ergänzen, um Fresszeiten zu strecken, Verhaltensprobleme wie übermässiges Holzkauen oder stereotype orale Aktivitäten zu reduzieren und das Umfeld anzureichern. Gleichzeitig müssen Zahnstatus, Körperkondition und mögliche Stoffwechselprobleme regelmässig kontrolliert werden, da scharfe Zahnkanten oder Schmerzen das Kauverhalten verändern und zu untypischer Holznahme führen können.
Abschliessend lässt sich festhalten, dass Knabberäste bei korrekter Auswahl und begrenzter Menge eine wissenschaftlich gut begründete Möglichkeit darstellen, natürliche Fressverhaltensweisen zu bieten, Magendarmgesundheit zu unterstützen und das Umweltangebot für Pferde zu bereichern, solange sie in ein insgesamt ausgewogenes, rauhfutterbasiertes Fütterungsmanagement eingebettet sind.
Eine durchdachte Kombination aus begrenzt eingesetztem Stroh, Heu oder Haylage, sicheren Knabberästen, Laub und sorgfältig kalkulierten Raufutterrationen nach aktuellen Fachinformationen bietet eine realistische Strategie, um Heuknappheit tierschutzgerecht zu überbrücken.
Man muss das Heu nicht selbst produzieren, um die Gesundheit des Pferdes positiv zu beeinflussen. Wer Raufutter versteht, erkennt Zusammenhänge früher, stellt die richtigen Fragen und trifft bessere Entscheidungen – zum Wohl seines Pferdes.
Laufend aktualisierte Informationen Raufutter-Situation in Europa: https://www.fairhorse.ch/odoo/knowledge/141
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