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Wie viel Zucker darf Heu enthalten?

Nicht der Zucker allein ist entscheidend
28. Juli 2026 durch
BEST OF HORSE HAY, Corinne Hauser

Kaum ein Thema wird in der Pferdefütterung so kontrovers diskutiert wie der Zuckergehalt im Heu. Immer wieder hört man Aussagen wie: „Pferde dürfen kein Zucker fressen“ oder „Je weniger Zucker, desto besser.“ Doch so einfach ist es nicht.

Tatsächlich ist Zucker ein natürlicher Bestandteil jeder Futterpflanze. Gras bildet durch die Photosynthese Zucker, den die Pflanze als Energiereserve nutzt. Deshalb enthält auch hochwertiges Pferdeheu immer eine gewisse Menge an Zucker.

Dazu kommt die Tatsache, dass nicht alle Labore den gleichen Zucker analysieren und somit sind diese Parameter nicht vergleichbar! 

Warum Zucker oft überschätzt wird
In den letzten Jahren hat sich der Fokus vieler Pferdehalter stark auf den Zuckergehalt im Heu verlagert. Das ist verständlich, denn Erkrankungen wie EMS oder Hufrehe haben stark zugenommen. Daraus entstand jedoch teilweise der Eindruck, dass Zucker grundsätzlich schädlich sei.

Nicht der Zucker allein macht ein Pferd krank. Viel häufiger spielen mehrere Faktoren zusammen:

  • Überversorgung mit Energie
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • genetische Veranlagung
  • ungeeignete Fütterung
  • mangelnde Raufutterqualität

Wie viel Zucker ist für welches Pferd sinnvoll?
Gesunde Pferde vertragen Zucker problemlos
Für ein gesundes Pferd mit funktionierendem Stoffwechsel stellt der natürliche Zuckergehalt eines guten Heus in der Regel kein Problem dar. Im Gegenteil: Zucker liefert schnell verfügbare Energie und gehört genauso wie Struktur, Eiweiss und Mineralstoffe zu den natürlichen Bestandteilen einer Pflanze.

Entscheidend ist immer die Gesamtration. Ein gesundes Pferd kann moderate Mengen an Zucker problemlos verwerten – insbesondere wenn das Heu ausreichend Rohfaser enthält und langsam aufgenommen wird. Es verhält sich ähnlich wie bei uns Menschen: "Nach den Osterhasen einfach mehr bewegen!".

Ein einzelner Laborparameter sagt deshalb noch wenig über die tatsächliche Fütterungsqualität aus.

Wann wird Zucker kritisch?
Anders sieht die Situation bei Pferden mit Stoffwechselproblemen aus. Dazu gehören beispielsweise:
  • Equines Metabolisches Syndrom (EMS)
  • Insulinresistenz
  • Hufrehe
  • PSSM oder andere stoffwechselbedingte Erkrankungen
  • leichtfuttrige, stark übergewichtige Pferde
Bei diesen Pferden sollte der Zuckergehalt deutlich stärker berücksichtigt werden und die Ration gemeinsam mit Fachpersonen geplant werden.

Wie viel Zucker sollte Heu enthalten?
Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht, da sie immer vom Gesundheitszustand, der Nutzung und der gesamten Fütterung abhängt.

Als Orientierung gelten häufig folgende Bereiche des wasserlöslichen Zuckers (WSC):
  • unter 10 %: häufig geeignet für stoffwechselempfindliche Pferde (je nach Gesamtration)
  • 10–15 %: für die meisten gesunden Freizeitpferde gut geeignet
  • über 15 %: sollte individuell beurteilt werden und ist nicht automatisch schlecht
Wichtig ist: Ein höherer Zuckergehalt macht Heu nicht automatisch ungeeignet. Ebenso bedeutet ein sehr niedriger Zuckerwert nicht automatisch, dass das Heu hochwertig ist.

Pferdeheu besteht aus weit mehr als Zucker
Wer Heu ausschliesslich nach dem Zuckergehalt beurteilt, übersieht viele entscheidende Qualitätsmerkmale.

QUALITÄT VON PFERDEHEU
┌─────────────────────────┐
│      HYGIENE ⭐⭐⭐⭐⭐      ​  │
└─────────────────────────┘
Verdaulichkeit ⭐⭐⭐⭐⭐              Struktur ⭐⭐⭐⭐⭐

Energie ⭐⭐⭐⭐                      ​   Rohfaser ⭐⭐⭐⭐⭐

Protein ⭐⭐⭐                      ​Mineralstoffe ⭐⭐⭐⭐

Zucker ⭐⭐⭐

Giftpflanzen ❌                                 Schimmel ❌
Staub            ❌                    Verunreinigungen ❌

Ebenso wichtig sind beispielsweise:
  • Verdaulichkeit
  • Energiegehalt
  • Rohfaser
  • Strukturwirksamkeit
  • Rohprotein
  • Hygienische Qualität
  • Staub- und Schimmelfreiheit
  • Botanische Zusammensetzung
  • Ernte- und Lagerqualität
Ein Heu mit sehr niedrigem Zucker kann gleichzeitig eine schlechte Verdaulichkeit,  hygienische Mängel oder zu wenig Protein aufweisen. Umgekehrt kann ein Heu mit etwas höherem Zucker hervorragend zur Ration eines gesunden Pferdes passen.

Der Mythos vom "zuckerfreien Heu"
Immer wieder wird nach zuckerfreiem Heu gesucht. Tatsächlich existiert ein solches Heu praktisch nicht.

Jede Pflanze bildet Zucker. Ziel einer guten Pferdefütterung ist deshalb nicht, Zucker vollständig zu vermeiden, sondern die passende Heuqualität für das jeweilige Pferd auszuwählen.

Und was ist mit Fruktan?
Neben dem wasserlöslichen Zucker wird häufig auch Fruktan diskutiert. Fruktan ist ein pflanzlicher Reservestoff und gehört ebenfalls zu den wasserlöslichen Kohlenhydraten (WSC). Sein Gehalt im Gras und Heu schwankt je nach Pflanzenart, Witterung, Sonneneinstrahlung und Erntezeitpunkt. Einzelne Labore weisen den Gesamtzucker also mit Fruktan aus - andere trennen diese Werte.

Bei Pferden mit EMS, Insulinresistenz oder einer Hufrehe-Vorgeschichte sollte der Fruktangehalt  – ebenso wie der Zuckergehalt – im Fütterungsmanagement berücksichtigt werden.

Fazit
Zucker im Heu ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Gesunde Pferde können den natürlichen Zuckergehalt eines hochwertigen Heus in der Regel problemlos verwerten. Erst bei Stoffwechselerkrankungen oder einer erhöhten Hufrehegefahr spielt der Zuckergehalt eine deutlich wichtigere Rolle.

Wer Heu beurteilen möchte, sollte deshalb immer das Gesamtbild betrachten. Hochwertiges Pferdeheu zeichnet sich nicht allein durch einen niedrigen Zuckerwert aus, sondern durch das optimale Zusammenspiel von Hygiene, Struktur, Verdaulichkeit, Nährstoffgehalt und einer zum Pferd passenden Qualität. Falls das Naturprodukt wirklich zu viel Zucker enthält, besteht immer die Möglichkeit die Tagesration mit Stroh oder einem anderen Heu zu strecken.

Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht: „Wie wenig Zucker enthält mein Heu?“, sondern: „Passt dieses Heu zu meinem Pferd?“

Heuqualität verstehen – Pferdegesundheit erhalten


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Weitere Informationen: www.bestofhorsehay.com


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